Zurück zum Content

Die Verlorene – Entstehung eines stummen Kurzfilms

Manchmal braucht es einen Anstoß von aussen, um das nächste Projekt anzugehen. So erging es mir mit meinem zweiten Kurzfilm: Die Verlorene.

Anfang des Jahres 2014 lernte ich beim Stammtisch der Filmemacher Rhein Main den Kameramann Marco Schulze kennen. Wir unterhielten uns und irgendwann kam das Gespräch auch auf Clusterfuck Love Story. Als wir uns verabschiedeten und Visitenkarten tauschten, meinte Marco, ich solle ihm doch den Link zu Clusterfuck schicken, was ich einige Tage später tat.

Beim nächsten Stammtisch trafen wir uns wieder. Marco hatte sich Clusterfuck angeschaut und meinte zum Spaß – wie ich annahm – ich sollte ihm doch Bescheid sagen, wenn ich mein nächstes Projekt plante. Ich sagte ihm, ich hätte da noch ein Drehbuch für einen Kurzfilm in der Schublade, das ich gerne umsetzen würde. Weiter sprachen wir darüber nicht.

Wenige Tage später bekam ich jedoch eine Mail von Marco, in der er mich aufforderte, ihm doch das Drehbuch zu schicken, von dem ich gesprochen hatte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er tatsächlich ernsthaft interessiert war. Nun schickte ich ihm das Buch zu DIE VERLORENE jedoch zu.
Marcos Reaktion überraschte mich sehr. Er war begeistert von der Geschichte und bot mir sofort an, mitzumachen und auch seine Kamera für den Dreh zur Verfügung zu stellen.

Ich hatte erst wenige Wochen zuvor Clusterfuck fertig gestellt und war noch damit beschäftigt, den Film bei Festivals einzureichen. Ausserdem war ich bereits im 4. Monat schwanger und hatte eigentlich nicht vorgehabt, so schnell wieder zu drehen. Es war klar, dass wir entweder in den nächsten zwei Monaten würden drehen oder vermutlich mehr als 1 Jahr würden warten müssen.

Marco war mit so viel Begeisterung dabei und mein Producer zog mit. Also entschied ich mich dafür, DIE VERLORENE gleich zudrehen. Gemeinsam mit Marco arbeitete ich weiter am Buch, bis die finale Fassung schließlich fertig war.
Viel Zeit blieb uns nicht, den Dreh vorzubereiten. Später als Juni wollte ich auf keinen Fall drehen, denn man weiß ja nie, wie so eine Schwangerschaft verläuft.

Wir begannen also mit der Suche von Drehorten, Schauspielern und Crewmitgliedern.

Locations

Marco schlug als Friedhof den Alten Friedhof in Darmstadt vor, der mir auch gleich bei unserer ersten Besichtigung sehr gefiel. Die Drehgenehmigung für den Friedhof bekamen wir vom Grünflächenamt in Darmstadt. Alles, was dafür nötig war, war ein kleines Briefchen.

Hauseingang - Location für Die VerloreneDas Haus, in dem die Wohnung des Mannes war, und vor dem wir die Szene mit dem Paket drehten, fanden wir über das Liegenschaftsamt in Frankfurt. Von dort wurden die an die AGB Holding verwiesen, die einen abrissbereiten Gebäudekomplex hatte, der für uns in Frage kam.
Marco und ich besichtigten also diese Gebäude mitten in Bornheim, die bald abgerissen werden sollten und deren Wohnungen genau den gammeligen ‘Charme’ hatten, den wir für DIE VERLORENE suchten. Dazu möchte ich anmerken, dass der Geruch ziemlich elend war, der in den Wohnungen hing (auch in der Wohnung, in der wir drehten). Mit der AGB trafen wir eine Nutzungsvereinbarung, sie sahen aber großzügigerweise davon ab, Geld von uns zu nehmen (nicht mal für Strom und Wasser).

Für die Straßenszenen stellte uns die U5 ihre Jahres-Drehgenehmigung der Stadt Frankfurt zur Verfügung. (Ich kann freien Filmemachern nur empfehlen, sich mit anderen zusammen zu tun und die Kosten für diese Genehmigung zu teilen, denn für 300€ kann man ein Jahr lang unbehelligt in Frankfurt auf allen Bürgersteigen drehen, solange man den Verkehr damit nicht blockiert.)

der Cast

Wir gaben – wie bei Clusterfuck auch – Anzeigen bei Crewunited und Pucks Bar auf, um Schauspieler zu finden. 116 Schauspieler und Schauspielerinnen meldeten sich bei mir. Man könnte denken, dass das eine tolle Zahl ist. So eine große Auswahl. Leider ist das ein Trugschluss. Von diesen 116 Bewerbern waren viele, die absolut nicht auf das Profil passten, das wir ausgeschrieben hatten. Und ein paar Bewerber schickten Mails ohne Text, nur mit einer Set-Card, dafür aber mit 10 anderen Mailadressen in CC. Das gibt einem nicht gerade das Gefühl, jemanden vor sich zu haben, der am Projekt interessiert ist. Trotzdem beantwortete ich alle 116 Bewerbungen.

Nachdem ich etwa 100 Absagen geschrieben hatte, zweifelte ich daran, ob wir überhaupt noch jemanden finden würden, der für die Rollen in Frage kam. Für die Rolle des Mannes hatte ich so ein genaues Bild im Kopf, dass einfach niemand passte. Zwei Schauspielern, die vom Alter her passten, sagte ich vorerst nicht ab, für den Fall, dass ich niemand besseren finden würde. Und gerade, als ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, bekam ich die Mail von Jonas Eckert. Er schrieb nur ein paar Zeilen und schicke mir nur ein Bild. Das war’s. Auf dem Bild sah er genauso aus, wie ich mir den schweigenden Stalker vorgestellt hatte. Wenig später saß ich mit Jonas in Köln in einem Cafe und besprach die Details seiner Rolle.

Für die weibliche Rolle bewarb sich tatsächlich keine Darstellerin, die mir dafür gefiel. Also suchte ich selbst. Auf der Seite der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt stieß ich dann auf Anabel Möbius. Ich schrieb ihr eine Mail, schickte ihr das Drehbuch und wenig später tranken auch wir zusammen Kaffee und besprachen die Geschichte.

die Crew

Für die Crew griffen wir auf Altbewährtes zurück: Alex Reichert war bereit, auch DIE VERLORENE auszuleuchten. Bernadette war als Regie-Assistentin dabei (ebenfalls schwanger). Emrah machte einen Tag den Ton, den wir dann gar nicht verwendeten.
Für die Maske gaben wir ebenfalls eine Anzeige auf. Britta Hess schrieb mich daraufhin an. Ich besuchte sie zu Hause und wir hatten ein sehr angenehmes Gespräch über Filme allgemein, Karriere-Veränderungen und DIE VERLORENE.

Vergeblich suchte ich nach einem Ausstatter. Auf unsere Anzeige hin meldete sich niemand. Ich fragte einen Ausstatter an, den ich bei der U5 kennengelernt hatte. Er versprach mir zwar, das Buch zu lesen und sich schleunigst zurück zumelden. Ich bekam von ihm aber auch nach meinem dritten Nachhaken nur die Aussage, er habe noch keine Zeit gehabt, das Buch zu lesen, werde das aber auf jeden Fall sofort tun. Ich stellt die Ausstattung für DIE VERLORENE also schließlich selbst zusammen. Mein Vater und mein Mann zimmerten die Dunkelkammer zusammen und meine Oma stellte die Nähmaschine samt Staubschicht zur Verfügung.

Unser Producer zauberte auf den letzten Drücker die zwei Kameraassistenten Sean Lovelace und Robert Bogs aus dem Hut und somit waren wir für DIE VERLORENE komplett.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.