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Die Verlorene – der 1. Drehtag

Der 1. Drehtag zu unserem dialogfreien Kurzfilm DIE VERLORENE war mehr ein Foto-Tag, denn wir mussten die Fotos vorproduzieren, die später in der Wohnung des Stalkers hängen sollten. Zusätzlich wollten wir noch die Rückblenden im Park drehen.

Der Tag war großzügig geplant mit einer Menge Zeit zum Umschminken und Fahren von einer Location zur nächsten.
Weil unsere Schauspielerin Anabel Möbius in verschiedenen Outfits und mit verschiedenen Stylings fotografiert werden sollten, brauchten wir einen Ort, an dem sie sich umziehen und unsere Masken-Lady Britta Hess sie umschminken konnte. Dieser Ort sollte möglichst in der Nähe einer S-Bahnstation liegen (weil wir Fotos in der S-Bahn machen wollten) und möglichst nah an der Frankfurter Innenstadt bzw. der Alten Oper. Ich buchte für Britta also ein Hotelzimmer nur wenige Schritte entfernt vom Hauptbahnhof. Von dort aus waren es auch nur wenige Minuten bis zur Alten Oper. Sehr clever – dachte ich.

Exkursion Parallelwelt

Treffpunkt am ersten Drehtag war Brittas Hotel. Anabel kam zum Schminken dort hin. Wir (Kameramann Marco Schulze, unser Fahrer und ich) warteten vor dem Hotel im Auto bis Anabel fertig geschminkt war. (Ins Hotel konnten wir nicht, denn pro Zimmer war jeweils nur ein Besucher zugelassen!)

Langweilig wurde uns im Auto jedoch nicht, denn ich stellte erst jetzt fest, in was für einer Gegend ich Britta untergebracht hatte. Zwar ist mir der Ruf des Bahnhofsviertels wohl bekannt, doch was man dort bereits um 7 Uhr morgens beobachten kann, war mir doch neu. Vor unseren Augen bzw. direkt neben unserem Auto wurden Drogen verkauft. Auf der anderen Strassenseite war eine schäbige Kneipe, die schon oder noch immer geöffnet hatte und in deren höhlenhaftem Innenren Spielautomaten blinkten. Vor der Kneipe saß auf einem Barhocker ein bulkiger Typ.

Regelmäßig kamen Junkies vorbei, hielten ihm Handys, Uhren oder sonstiges Zeug hin. Die meisten wies er ab, doch manchen nahm er die Sachen ab und gab ihnen dafür etwas in die Hand, worüber wir nur spekulieren konnten. Ein Mann schlurfte ganz nah an unserem Auto vorbei, ließ sich auf die Knie fallen und pulte etwas aus den Fugen zwischen den Steinen des Gehwegs.

Ich kam mir vor wie bei einer Safari, denn das Bahnhofsviertel ist offensichtlich eine Wildnis, die mir völlig unbekannt ist. Und obwohl ich wußte, dass die Türen unseres Autos verschlossen waren, hatte ich doch jedesmal ein mulmiges Gefühl, wenn eine Gestalt auf uns zuwankte.

Warten im Bahnhofsviertel

Die ganze Zeit standen wir im absoluten Halteverbot. Ein Streifenwagen zog seine Kreise durchs Viertel und kam bestimmt 5 Mal an uns vorbei, während wir warteten. Doch die Polizisten machten keine Anstalten, uns zum Wegfahren zu bewegen. Dafür hütten sie ja aussteigen müssen und das hätte ich an deren Stelle auch lieber gelassen.

Als Anabel schließlich geschminkt und frisiert zu uns kam, mussten wir dann doch die Sicherheit des Autos verlassen, um zur S-Bahn zu gelangen. Und ich fühlte mich das erste Mal in meinem Leben etwas sicherer, als wir den nach Pisse riechenden Eingang zur B-Ebene des Frankfurter Hauptbahnhofs erreichten.

Unsere Fotosessions verliefen großartig. Wir holten die verlorene Zeit schnell wieder auf und hatten viel Spaß, in der S-Bahn, im Standcafé und auf dem Opernplatz die Fotos zu schießen.

die Erste im Park

Britta Hess schminkt Anabel Möbius am Set von DIE VERLORENE

Die letzte Station des Tages war der Grüneburgpark. Dort wollten wir die Rückblenden bzw. Erinnerungen drehen. Anabel musste das schwarze Kleid tragen und komple umgestylt werden. Während Britta und Anabel also zurück ins Hotel fuhren, machte es sich der Rest des Teams im Grüneburgpark bequem.
Auch hier konnten wir allerlei Merkwürdiges beobachten. Nachdem wir bereits mehr als eine halbe Stunde an einem Fleck in der Sonne gesessen hatten, fiel uns auf, dass die Sonnenbader, die in einiger Entfernung von uns lagen, nackt waren.

In der Abendsonne drehten wir dann schließlich noch die Erinnerungen des Stalkers an die Erste und brachten somit den ersten Drehtag zu DIE VERLORENE nur leicht hinterm Zeitplan zu einem guten Ende.

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