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Die Verlorene – Drehtag 2 & 3

Den 2. Teil der Dreharbeiten für DIE VERLORENE fand an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt.
In unseren Shotlisten und Ablaufplänen hatten wir jede Minute durchgeplant, an alle Eventualitäten gedacht. Ich fuhr also freitags völlig entspannt zum Drehort, den wir auch als Basis für beide Drehtage nutzen würden. Nicht ahnend, was dort auf mich wartete.

Der Häuserblock sollte bald abgerissen werden, nur noch in einer Wohnung wohnte jemand. Die Wohnung, in der wir drehen wollten, wurde uns von der Wohnungsgesellschaft für das Wochenende kostenlos zur Verfügung gestellt.
Als ich vom Parkplatz zum Haus lief, kamen mir Kameramann Marco Schulze und Oberbeleuchter Alex Reichert entgegen. Meine Laune verbesserte sich noch mehr: schon mal zwei, die pünktlich waren. Doch dann sagte Marco im Vorbeigehen zu mir: „Da sind zwei Typen in der Wohnung, die bauen die Therme aus, ich glaube, die stellen uns das Wasser ab.“

Marco Schulze und Anabel Möbius am Set von Die Verlorene

unverhofft kommt… immer

Mir fiel alles aus dem Gesicht. Wir brauchten Wasser, um die Badezimmer-Szene zu drehen. Aber noch wichtiger: wir brauchten Wasser, um die Toilette in der Wohnung zu benutzen. Ich stürmte also in die Wohnung, wo mir zwei sehr nette Sanitäts-Facharbeiter (oder wie auch immer man die nennt) erklärten, sie seien von der Wohnungsgesellschaft beauftragt, heute hier in dieser Wohnung die Therme auszubauen und die Wasserleitungen abzustellen.

Vielleicht weil sie meine Verzweiflung spürten, ließen sie sich dazu überreden, im Haus erst noch etwas Anderes zu machen und mir somit Zeit zu geben, die Wohnungsgesellscha anzurufen. Die Dame, mit der ich die Nutzungsvereinbarung gemacht und die ganze Zeit in Kontakt gestanden hatte, war selbstverständlich gerade nicht im Büro. Ich erklärte also dem Herrn am Telefon die Situation und bat dringend um Rückruf.

3 Minuten eine Ewigkeit

Die nächsten drei Minuten waren die längsten des ganzen Drehs. So lange dauerte es, bis mich die verantwortliche Dame zurückrief. Ich erklärte auch ihr die Situation und betonte, dass wir den Dreh an dieser Stelle abbrechen müssten, wenn man uns nicht das Wasser ließe. Sie war selbst ganz schockiert, denn – so sagte sie selbst – ich hatte ja eine Nutzungsvereinbarung mit der Wohnungsgesellschaft. Und auch wenn wir dafür nichts bezahlten, fühlte man sich von Seiten der Wohnungsgesellschaft auf jeden Fall an die Vereinbarung gebunden. Sie bat mich, einen Moment zu warten, sie würde die Bauleitung anrufen, damit diese die Sanitäts-Facharbeiter zurückrufen konnten.

Es dauerte wieder unendliche 3 Minuten, da kamen die beiden Sanitäts-Facharbeiter und teilten mir mit, sie würden in der nächsten Woche wieder kommen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und so konnten wir unseren Drehtag endlich beginnen.

Improvisation ist alles

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keine Ahnung, wie wir die Badezimmer-Szene drehen würden. Zwar hatten wir fließendes Wasser in der Wohnung, in der wir die Schlafzimmer- und die Dunkelkammer-Szene drehen würden. Das Badezimmer befand sich jedoch in der Wohnung nebenan, in der kein Wasser mehr floss.

Wir hatten am Vortag schon getestet, in welche der offenliegenden Rohre wir Wasser schütten mussten, damit es aus dem Hahn wieder herauskam, das Ergebnis war jedoch alles andere als ideal. Zur Not würden Marco und ich uns eine Auflösung überlegen müssen, in der wir den Wasserhahn aus dem Bild halten würden, wenn Wasser floss und ausserhalb des Bildes einfach aus einer Gießkanne Wasser schütten. Doch die Badezimmer-Szene war für das Ende des Drehtages geplant, so dass noch Zeit war, bis dahin eine Lösung aus mitgebrachten Klemmen und Schläuchen zu basteln.Irgendwer hatte bereits ein etwa 10 cm großes Loch durch die Wand zwischen den beiden Badezimmern gebohrt, und der Plan war, das Wasser irgendwie durch einen Schlauch von einem ins andere Badezimmer zu schleusen, ohne dass man es sehen würde.

abgedunkelte Fenster mitten im Sommer

Wir begannen im Schlafzimmer, was eine deprimierende Stimmung auf mich ausübte. Wir dunkelten das Fenster ab, arbeiteten mit wenig Licht. Jedes mal, wenn wir für eine Pause auf den Hof traten, war es, als würden die Augen aufatmen, denn draußen war der schönste Sonnenschein.

Der Dreh dauerte viel länger als erwartet. Am späten Nachmittag entschieden wir, dass wir nach dem Schlafzimmer direkt das Badezimmer drehen und die Dunkelkammer erstmal auslassen würden. Dafür würden wir am nächsten Tag Zeit schaffen müssen.

alles wird gut

Irgendwie hatten unser Fahrer und Producer es tatsächlich geschafft, das Wasser zum Fließen zu bringen. Jedoch musste jemand das Wasser aufdrehen, es staute sich dann im Schlauch, bis der Hahn am Drehort aufgemacht wurde. Dort schoss das Wasser dann mit ziemlichem Druck heraus. Der Hahn musste wieder zugedreht werden, bevor das Wasser völlig versiegt war. Es waren ein paar aufregende Takes, aber es klappte.

Erschöpft und etwas nervös wegen der Dunkelkammer-Szene, beendeten wir den zweiten Drehtag.

der 3. Drehtag

Am nächsten Morgen ging es im kleinen Team und sehr früh in Darmstadt auf dem Alten Friedhof los. Da nicht geleuchtet werden musste und wir die Drehorte und Gänge bereits festgelegt hatten, kamen wir schnell voran. Anschließend ging es nach Frankfurt zum Strandcafe und in die S-Bahn, wo wir mit Jonas Eckert und Anabel Möbius drehten, wie der Mann die Neue heimlich fotografiert.

Nachdreh in der Dunkelkammer

Danach war im Ablaufplan eine langes Umschminken für Anabel vorgesehen. Der Rest der Crew sollte in der Zeit mit Jonas drehen, wie der Mann ziellos durch die Strassen streift. Weil wir die Dunkelkammer-Szene vom Vortag noch nachdrehen mussten, entschied ich, diese Szene zu streichen und stattdessen in der Dunkelkammer weiterzumachen. Pünktlich zum geplanten Dreh auf dem Opernplatz waren wir tatsächlich in der Dunkelkammer fertig.

Auf dem Opernplatz bekam ich einen Moment einen Schock, als eine Gruppe Polizisten in Riot-Gear auf uns zukam und ich feststellte, dass unsere Drehgenehmigung auf der anderen Seite des Platzes bei meiner Regieassistentin Bernadette lag. Ich habe wahnsinnige Angst vor Autoritäten. Schon ein Fahrkartenkontrolleur macht mich nervös, selbst wenn ich ein Ticket habe. Die Polizisten beäugten uns aber nur aus angemessenem Abstand. Sie waren wegen einer Demonstration da, die wenig später am Opernplatz vorbeipilgerte, uns aber nicht weiter störte.

letzte Einstellungen in der Unterführung

Als letztes und bereits mächtig hinter dem Zeitplan drehten wir die Szene in der Unterführung. Unser Beleuchter Alex sprang als DIE GESTALT ein. Schon Wochen vor dem Dreh hatten Marco und ich uns über die Auflösung dieser Szene den Kopf zerbrochen und einfach keine Lösung gefunden. Jetzt an der Location war die Auflösung plötzlich ganz klar. Und auf einmal hatten wir die letzte Einstellung im Kasten. Der Dreh war vorbei. Wir umarmten uns alle und ich hatte ein bisschen das Gefühl, als wäre gerade ein Wochenend-Ausflug mit Freunden zu Ende gegangen. Hoffentlich machen wir das bald mal wieder. Vielen Dank.

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