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In 5 (+x) Schritten durch den Wahnsinn – Mein Schreibprozess

Eine Frage, die mir in meinen Seminaren schon häufiger begegnet, ist die nach dem idealen Schreibprozess. Ich halte nichts davon, sich an anderen zu orientieren, denn was für mich funktioniert, kann die Hölle für jemand anderen sein. Doch ich bin auch neugierige darauf, wie andere Autoren an ihre Projekte herangehen und habe von „ich schreibe ein Exposé und dann die erste Fassung, dann bin ich fertig“ bis „ich schreibe eine Logline, dann ein Exposé, dann die Biografien meiner Hauptfiguren, ein Treatment, dann ein Bildertreatmen, dann die erste Fassung, zweite Fassung…“ schon so ziemlich alles gehört.
Das hat mich dazu gebracht, mal darüber nachzudenken, wie eigentlich mein Schreibprozess aussieht.

Eine Idee

Wenn ich eine Idee habe, an der ich arbeiten will, jetzt oder später, schreibe ich sie auf. Gleich digital. Meist kommt dabei ein 1-2 seitiger Abriss der Handlung zustande, der dann entweder im Ordner „Ideen“ verschwindet oder einen eigenen Projektordner bekommt, in dem ich alles Material, was sich ab sofort zu dieser Idee ansammelt, speichere.

Ein Exposé

Als nächstes schreibe ich ein ausführlicheres Exposé. Da kommen meist 15-20 Seiten zusammen. Die Idee nimmt hier schon stark Gestalt an. Die Nebenhandlungen werden beschrieben, alle wichtigen Charaktere sind vorhanden.

Ein Bildertreatment

Aus dem Exposé mache ich dann ein grobes Bildertreatment. In Scrivener kann ich sehr einfach aus dem Exposé-Dokument mehrere Szenen machen, indem ich das Dokument am Cursor „teile“. So entsteht eine noch unvollständige Szenenübersicht. Für jede Szene gibt es nun eine kurze Beschreibung, was in dieser Szene erzählt werden soll. Dies können mehrere Absätze sein, oder auch nur ein Nebensatz.

Eine erste Fassung

Nun beginnt für mich die Arbeit: das Schreiben der ersten Fassung. Von vorne nach hinten mache ich nun aus den Kurzbeschreibungen richtige Szenen und gerate dabei immer wieder in Sackgassen. In den ersten 30 Seiten quäle ich mich am meisten. Hier geht es mir erstmal nur darum, die erste Fassung fertig zu schreiben. Jede weitere Idee für Nebenhandlungen, Änderungen von Passagen, die ich bereits geschrieben haben, Figuren oder Schauplätze, sammle ich, um sie später einzuarbeiten.
Wenn ich am Ende meines Bildertreatments ankomme, stelle ich häufig fest, dass mein Drehbuch für einen Kurzfilm zu lang und für einen Langfilm zu kurz ist. Also geht es in die erste Bonusrunde.

Rewrites

Ab hier ist alles Überarbeitung. Und davon jede Menge. Die erste Fassung, die ich schreibe, ist nie vorzeigbar. Die Notizen, die ich mir beim Schreiben der ersten Fassung gemacht habe, kommen nun zum Einsatz. Ich arbeite das Drehbuch von vorne bis hinten durch. Und dann noch mal und dann noch mal. Und wenn nötig noch mal.
Diese Überarbeitungen sind für mich der krönende Abschluss, das, was mir am meisten Freude macht. Denn diese Rewrites sind wie Puzzle: Etwas in der vorigen Fassung passt nicht, also muss ein Teil gefunden werden, das passt. Ich freue mich wie Bolle, wenn mir endlich aufgehet, was passieren muss, damit ich am Ende zur Konstellation komme, die ich für den Showdown brauche. Oder so.

Bei jedem neuen Projekt nehme ich mir vor, diesmal die Rewrite-Runden zu verkürzen, indem ich mehr Sorgfalt bei der Arbeit vor der ersten Fassung walten lasse. Doch das ist einfach nicht mein Schreibprozess. Ich komme auf die Ideen nicht durch das trockene Darübernachdenken, ich muss die nebligen Szenen schon geschrieben haben, um festzustellen, dass das eine Sommergeschichte ist. So zu arbeiten ist sicher weit entfernt von „ideal“, doch es ist, was für mich funktioniert.

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