Zurück zum Content

Der Vorspann (pt. 3) – Beispiele gefällig?

In den ersten beiden Teilen der Reihe über den Vorspann, habe ich bereits die Funktionen und die Entwicklung des Vorspanns beleuchtet. Im dritten Teil soll es nun um die Vorstellung beispielhafter Titelsequenzen gehen. Dabei stellt die Auswahl der Filme keinen repräsentativen Querschnitt dar. Vielmehr geht es mit in der Auswahl um die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Titelsequenzen.

Die Abenteuer des Prinzen Achmed

DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED von 1927 ist einer der ältesten Animationsfilme. Für den Vorspann entwarf Lotte Reiniger, die für den gesamten Film verantwortlich war, einen aufwändigen Rahmen als Verzierung, der während des gesamten Vorspanns unverändert bleibt. Der Vorspann ist, wie für diese Zeit üblich, recht kurz und kommt mit lediglich fünf Titelkarten aus. Trotzdem erfüllt bereits dieser einfache Vorspann beide Funktionen: er informiert über die Herstellung des Films und bereitet den Zuschauer darauf vor, was ihn erwartet.

Der Rahmen, der die Schrift umgibt erinnert an das Fenster eines orientalischen Tempels, die geschwungene Schrift unterstreicht diesen orientalisch-märchenhaften Eindruck. Die Titelsequenz von DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED ist ein schönes Beispiel dafür, dass bereits in den Anfangsjahren des Films konzeptionelle Vorspanne gemacht wurden. Eben mit den technischen Mitteln, die damals vorhanden waren.

Monkey Business

MONKEY BUSINESS aus dem Jahr 1952 geht ganz anders an die Darstellung von Innen und Aussen des Films heran, als es die meisten anderen Filme tun.
Die Titelmusik ist zu hören, wir sehen eine Haustür. Die Haustür öffnet sich, Cary Grant will hinaustreten, die Musik verstummt. Dann ist aus dem Off der Regisseur des Films Howard Hawks zu hören. „Not yet, Cary.“ Cary Grant schließt die Tür wieder, die Musik setzt wieder ein, der Filmtitel wird ein- und ausgeblendet. Grant öffnet abermals die Tür, wieder stoppt die Musik, wieder ermahnt Hawks den Schauspieler. Nachdem die Tür geschlossen worden ist, werden die restlichen Titel eingeblendet und erst nachdem die Einblendung für den Regisseur verschwunden ist und die Musik ihren Ausklang gefunden hat, öffnet Grant die Tür erneut und die Filmhandlung beginnt.

Auch diese Titelsequenz ist sehr simpel gemacht. Sie besteht nur aus einer Einstellung der Haustür, über die die Titel geblendet werden. Inhaltlich ist dieser Vorspann sehr interessant, weil er dem Zuschauer direkt vor Augen führt, dass hier ein Film gezeigt wird, also ein gemachtes Produkt und keine reale Handlung. Hawks bemüht sich nicht, dem Zuschauer ein Universum des Films vorzugaukeln. Ganz im Gegenteil: er zeigt dem Zuschauer deutlich, dass er die ganze Zeit hinter der Kamera sitzt und mit ihm noch ein Dutzend andere Leute. Er entlarvt den Film als das, was er ist: MONKEY BUSINESS, fauler Zauber. Dazu trägt auch und vor allem bei, dass Howard Hawks Cary Grant mit seinem richtigen Namen anspricht, nicht etwa mit dem Rollennamen oder den Namen weglässt.

Ein solches spielerisches Vorgehen sieht man sonst in der Regel nur bei Zeichentrick-Filmen, in denen zum Beispiel eine Hand aufaucht und etwas dazu zeichnet oder etwa die Figuren aus dem Bild herausgehen und an der Perforation des Films hinauf- oder hinunterklettern. Hawks spielt auf charmante Weise mit dem Bewusstsein für das Medium Film.

The Pink Panther

THE PINK PANTHER von 1963 hat wohl den erfolgreichsten Vorspann aller Zeiten. In der Animationssequenz läuft der rosarote Panther durch die Titelkarten, bedroht von der Hand des Meisterdiebs und verfolgt von Inspektor Clouseau.

Die Ebenen von animierten Figuren und Schrifteinblendungen sind dabei nicht getrennt. Der rosarote Panther verändert die Titel, schiebt Buchstaben herum, schreibt seinen Namen in die Credits hinein. Die drei Figuren nehmen im Grunde die Handlung des Films schon vorweg. Wobei der rosarote Panther im Film ein Diamant ist und keine handelnde Person. Trotzdem funktioniert der Vorspann sehr gut, in dem er zum einen die Hauptfiguren einführt und gleichzeitig einen Vorgeschmack auf die kommende Komik gibt.

Das eigentlich Herausragende an diesem Vorspann ist allerdings, dass der rosarote Panther als Figur, die für diesen Vorspann entwickelt wurde, aus dem Schatten der Filmreihe heraustreten konnte. Obwohl der Film von 1963 ist kennt heute jedes Kind den rosaroten Panther, inklusive Titelmelodie. Die gleichnamige Trickfilmserie war ein Riesenerfolg. Der rosarote Panther wird noch heute als Plüschtier, auf Bechern und sonstigen Merchandise-Artikeln verkauft und war sogar einige Zeit Werbefigur für die ebenfalls rosarote Telekom.

Gedacht war die Figur des rosaroten Panthers als Markenzeichen für den Film bzw. für die Reihe. Dass sie unabhängig von den Filmen einen solchen Erfolg haben würde, hatte niemand für möglich gehalten. Kein Vorspann konnte dies seitdem wiederholen.

Fahrenheit 451

FAHRENHEIT 451 ist ein schönes Beispiel, wie weit man in der Konzeption gehen kann, um einen Vorspann zu gestalten, der inhaltlich den Film widerspiegelt. Der Film, nach dem Roman von Ray Bradbury, zeigt eine Gesellschaft, in der Bücher und das Lesen verboten sind und das Fernsehen wie eine Droge den Alltag der Menschen bestimmt.

Nachdem das Logo des Filmstudios Universal zu sehen war, besteht der Vorspann nur noch aus eingefärbten Standbildern von Fernsehantennen. Die Credits werden nicht in Schrift eingeblendet, sondern vorgelesen.

Die Einführung des Zuschauers in die Diegese findet hier nicht auf einer Stimmungsebene statt, vielmehr erfährt der Zuschauer direkt, wie es in einer Welt wäre, in der FAHRENHEIT 451 spielt.
Es ist, als würde der Vorspann selbst aus dem Universum des Films stammen.

Apocalypse Now

Von Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW aus dem Jahr 1979 wird oft behauptet, er hätte keinen Vorspann. Tatsächlich beginnt der Film nicht mit dem Logo der Produktionsfirma. Es wird auch keine Schrift eingeblendet, weder der Filmtitel, noch der Name des Regisseurs oder der Darsteller.

Es wurde oft geschrieben, dass APOCALYPSE NOW den Zuschauer verwirren würde, weil die Erwartung, einen Vorspann zu sehen zu bekommen, während des ganzen Films aufrecht erhalten bliebe. Und der Zuschauer den Film als eine Art überdimensionaler Pre-Titlesequenz erfahren würde. Dies soll an dieser Stelle genauer betrachtet werden.

Sieht man sich die ersten drei Minuten und 50 Sekunden des Films genau an, merkt man, dass hier sehr wohl ein Vorspann gestaltet wurde. Dabei wurde allerdings auf die Erfüllung der informativen Funktion verzichtet.

Der Film beginnt mit der Aufnahme von Palmen. Man hört einen Helikopter, der wenig später auch durchs Bild fliegt. Musik setzt ein: The End von The Doors. Schwaden von Napalm ziehen vorbei. Die Palmen gehen in Flammen auf. Aber zu hören sind nur The Doors und das Geräusch des Helikopters, das sich wenig später als Geräusch eines Ventilators entpuppt.

Im Folgenden sind Aufnahmen des brennenden Dschungels zu sehen, das Gesicht der Hauptfigur auf dem Kopf stehend, ein Deckenventilator, persönliche Gegenstände, eine Pistole unter einem Kopfkissen.


Die Bilder werden ineinander geblendet, überlappen sich und sind teilweise leicht transparent. Betrachtet man den kompletten Film, fällt auf, dass er sehr konventionell geschnitten und vertont ist. Es gibt keine Musik aus dem extradigetischen Raum, keine künstlerischen Effekten, keine Effektblenden. Nur die ersten vier Minuten fallen aus dieser Art der Gestaltung heraus. Die Aufnahmen der ersten vier Minuten sind teilweise aus ungewöhnlichen Perspektiven fotografiert, der Originalton wurde entfernt. Es ist, als würde man die Erinnerungen der Hauptfigur an den Krieg betrachten.

Dem Zuschauer wird deutlich gezeigt, um was es nun in den kommenden Stunden gehen wird: der Schauplatz wird eingeführt, ebenso die Hauptfigur. Die Tatsache, dass auf Schrifteinblendungen und die Vermittlung von Produktionsinformationen verzichtet wurde, zeigt für mich, dass in diesem Fall dem Regisseur die Einführung in die Digese wichtiger war, als die Nennung seiner Produktionsfirma und seines Namens.
Dass es sich bei den ersten Minuten des Films um einen Vorspann handelt, ist dadurch nicht ausgeschlossen.

Quellen

Böhnke, Alexander und Hüser, Rembert: Das Buch zum Vorspann. Berlin 2006.
Boneu, Antonio und Solana, Gemma: Uncredited. 2008.
Friedrich, Hans-Edwin und Jung, Uli: Schrift und Bild im Film.
Bielefeld 2002. Hausberger, Florian: Main Titles.
Hagenberg 2006. Monaco, James: Film verstehen. Hamburg 1995.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.