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Pitch-Abend mit Gästen

Teilnehmer aus zwei Seminaren waren zum Pitch-Abend ins Filmhaus Frankfurt eingeladen, um vor zwei Filmproduzenten ihre Stoffe vorzustellen. Meine Erwartungen an den Abend waren gemischt. Doch es war klar, dass ich eine Menge mitnehmen würde.Samstag, 18:35 Uhr. Die ersten Autoren sind schon da als ich im Filmhaus ankomme. Der Rest trudelt langsam ein. Die Ankunft des ersten Produzenten löst eine leicht Spannung bei den einen aus, bei den anderen den Redefluss.

19:18 Uhr. Der zweite Produzent hat sich in der Uhrzeit vertan, sitzt noch zu Hause. Vermutlich im Pyjama. Also geht es los, obwohl auch ein Autor noch auf sich warten lässt. Kurze Begrüßung. Dann sind die Autoren dran. Einer nach dem anderen – fünf insgesamt – stellen sie ihre Stoffe vor. Sieben Minuten haben sie dafür Zeit. Dann bimmelt der Wecker und der Produzent, der Geschäftsführer vom Filmhaus und ich stellen Fragen, geben unsere Einschätzung ab.
Die Stoffe sind ebenso unterschiedlich wie die Autoren. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sind alle nervös.

Zwei Stunden später ist es auch schon wieder vorbei. Fünf Autoren haben fünf Stoffe vorgestellt. Hätte ich mich ebenfalls auf diesen Pitch-Abend vorbereiten müssen, ich hätte es wohl ähnlich gemacht wie diese fünf. Ich hätte ein paar einleitende Worte gesagt, meine Geschichte erzählt, mich für die Aufmerksamkeit bedankt, fertig. Denn das ist es ja, was ich rüberbringen will: meine Geschichte. Richtig?!?
Als Zuschauer oder viel mehr als Zuhörer diesem Pitch-Abend beizuwohnen, hat mir jedoch eine andere Perspektive auf die Vorträge gegeben. Die Frage ist: Was will der Zuhörer? Was ich wollte, war klar: Unterhalten werden, mitgerissen werden, teilhaben, mitfiebern.

7 Minuten

Auch wenn es nach wenig Zeit klingt: Sieben Minuten können sehr lang sein. Vor allem, wenn der Vortrag, den man sich anhört, kompliziert bis zur Verwirrung ist, mit monotoner Stimme vorgetragen oder gar abgelesen wird. Wie will ich Leidenschaft in anderen entzünden, wenn ich meine eigene Leidenschaft verberge?

Rückblickend gibt es ein paar Dinge, die ich für mich aus dem Pitch-Abend mitgenommen habe, die ich tun oder lassen würde, sollte ich je zum Pitchen kommen.

Warum das alles?

Was mich bei allen fünf Stoffen interessiert hat und was leider nur von zwei Autoren beantwortet wurde, war die Frage nach dem Warum. Warum dieser Stoff? Warum diese Figuren? Dieses Setting? Die Motivation, an einem Stoff zu arbeiten, sagt viel über den Autor aus und es kann etwas sein, womit andere sich identifizieren können. Vielleicht war es die flüchtige Begegnung mit einem Fremden, die einen nicht mehr losließ und Ausgangspunkt für die Geschichte wurde. Oder eine existenzielle Frage, die sich nach dem Studienabschluss gestellt und seither nicht beantwortet hat. ‚Es interessiert mich eben‘ ist nicht besonders überzeugend.

Was sind das denn eigentlich für Typen?

Die meisten Geschichten stehen und fallen mit ihren Charakteren. (Nur wenige Genres können mit Abziehbildern von Figuren überzeugen.) Warum also dem werten Zuhörer nicht vorstellen, wem er 90+ Minuten auf der Leinwand folgen soll? Selbst wenn eine Geschichte nur so halb überzeugt, kann doch die Hauptfigur so charmant, skurril oder sonst wie besonders sein, dass sie neugierig macht.

Jetzt ist aber mal Ruhe

Die Zeit zum Pitchen ist die Zeit zum Pitchen. Sobald die Fragerei losgeht, ist das Pitchen beendet. Was ich sagen will ist: Informationen, die in den Pitch nicht mehr hineingepasst haben, sollten nicht an unpassenden Stellen in die Frage-Session gepackt werden. Und vor allem würde ich niemals eine Anmerkung zu meinem Stoff mit einem Vortrag darüber beantworten, was der Anmerkende da falsch verstanden hat.

Das ist meins

Erstaunlich, dass ich das hier schreibe, aber es ist wohl nötig es einmal auszusprechen: Wenn ich meinen Stoff pitche, dann ist es mein Stoff. Ich bin der Autor. Es wirkt unprofessionell, Teile der Stoffentwicklung auf jemand anderen zu schieben, wenn eben diese Teile kritisiert werden. Selbst wenn es so war, ist es immer die Entscheidung des Autors, Änderungen vorzunehmen oder eben nicht. Own it!

Scheiß auf den 2. Akt

Was mir schmerzlich klar geworden ist: Im Pitch braucht niemand den 2. Akt. Zumindest nicht in voller Länge. Nicht jede Wendung muss bis ins kleinste Detail erörtert werden. Im besten Fall ist es spannend erzählt und man raubt sich damit nur die Zeit, mehr von sich, den Figuren, den Bildern zu erzählen. Im schlimmsten Fall verliert man die Zuhörer durch Verwirrung oder Langeweile.

Das wird aber schon ein Film, oder?

Auch wenn das Drehbuch aus geschriebenen und der Pitch aus gesprochenen Worten besteht, ist es doch ein audio-visuelles Projekt, das wir vorstellen. Warum also nicht Bilder entstehen lassen vor dem geistigen Auge des Zuhörers? Warum nicht szenisch erzählen und so Atmosphäre schaffen?

Das hätte ich auch einfach lesen können

Wenn sich jemand hinstellt und seinen Pitch abliest oder das auswendig gelernte Exposé vorträgt, kann ich mir die Sache eigentlich auch sparen. Geschriebene Sprache ist nicht gesprochene Sprache. Und es sind vor allem nicht die berühmten eigenen Worte. Auswendig Gelerntes und Abgelesenes wirkt meist hölzern und aufgesetzt. Es ist schwer, in einen auswendig gelernten Vortrag Leidenschaft zu bringen. Meine Geschichte frei zu erzählen, lässt sie mich live durchleben, während ich sie meinem Publikum vermittle. Auch das kann und sollte geübt werden. Auswendiglernen würde ich jedoch vermeiden.

Hier brennt leider gar nichts

Leidenschaft ist das, was ich bei unserem Pitch-Abend am meisten vermisst habe. Ob sie nur hinter der Nervosität verborgen war oder sich vom Auswendiglernen hat vergraulen lassen, weiß ich nicht. Da war sie jedenfalls nicht. In meiner Erfahrung entzündet man den Funken für ein Projekt bei anderen am leichtesten, wenn man selbst lichterloh dafür brennt. Man muss nur eben auch den Mut haben, das zu zeigen.

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