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Coworking vs Homeoffice

Coworking oder Homeoffice? Ich habe beides ausprobiert und mit beidem gemischte Erfahrungen gemacht.

Solange ich noch festangestellt war, habe ich gerne Homeoffice gemacht. Es gab einfach immer Aufgaben, die ich besser und schneller zu Hause erledigen konnte, wo kein Telefon klingelte, keine Kollegen irgendetwas wollten. Lektorate zum Beispiel oder das Schneiden eines Web-TV Beitrags.

Ausgerechnet für’s Schreiben hat sich das Arbeiten zu Hause nicht bewährt. Mich hinzusetzen und tatsächlich zu schreiben, war eine Qual, wenn die wußte, dass Haushalt oder die Steuererklärung warten. Und überhaupt ist doch gerade die neueste Staffel Bosch draußen, oder?

Druck und Zug

Dadurch, dass ich beim Schreiben nicht den gleichen Druck hatte, wie bei den Aufgaben für meinen Arbeitgeber, stürzte ich mich nicht mit dem gleichen Elan hinein. Natürlich ist das eine Frage der Disziplin. Nun bin ich jemand, der nicht diszipliniert ist.
Coworking schien mir ein guter Weg, mich durch Zug zu motivieren. Es kommt für mich nicht in Frage, meine Lieblingsserie zu schauen, wenn drei andere Leute mit mir im Raum sitzen und arbeiten. Betriebsamkeit von anderen zieht mich mit.

Coworking 1. Versuch

Im Frühjahr 2016 wurde ich also Teil eines Coworking-Space in Offenbach. Ich dachte, es würde mir gut tun an meinen freien Tagen ins ‚Büro‘ zu fahren und dort ein paar Stunden in Ruhe zu schreiben. Doch in diesem Coworking-Space fühlte ich mich nicht wohl. Die Atmosphäre war kühl, nicht nur wegen der Ausstattung der Räume. Die anderen Coworker kamen oft erst zum Arbeiten, wenn ich gerade wieder ging. Manchmal bekam ich überhaupt niemanden zu Gesicht. Der Großteil der Coworker waren Architekten, die mit ihren Projekten und Gesprächen meist unter sich blieben. Das Ende vom Lied: Ich ging nicht mehr hin. Schon nach wenigen Monaten verspürte ich keine Lust mehr, in mein Coworking-Büro zu fahren. Ich blieb zu Hause, schob die Schreiberei und alles andere wieder und wieder auf. Bis ich im Herbst durch Zufall Coworkerin Alex wieder traf. Auch sie war aus dem Architekten-Space ausgestiegen und nun dabei, etwas eigenes auf die Beine zu stellen.

offenbar doch ganz gut

Ich schloss mich an und bin so nun Teil von offenbar e.V., einem gemeinnützigen Verein für kreative Arbeit und Coworking. Unsere Räume sind eine Minute zu Fuß von meiner Wohnung entfernt. Die offenbar-Kern-Crew sind 7 Leute, von denen keine zwei im gleichen Bereich arbeiten. Beim Renovieren, Putzen und Einrichten der Räume haben wir gegenseitig unsere Grenzen ertastet und erste Konflikte geprobt. Es muss nicht immer harmonisch sein, um zu funktionieren.

Am 6.5. war nun Einweihung. Endlich.

Am Montag danach konnte ich zum ersten Mal richtig im offenbar arbeiten. Schreibtische standen schon lange. Auf das WLAN mussten wir noch warten. Doch nun ist alles set. Und ich habe an diesem ersten Montag mehr erledigt, als im Homeoffice in einer Woche.

Ich gehe nicht davon aus, dass ich dieses Level an Produktivität halten kann. Doch es fühlt sich anders an in Jeans und Turnschuhen im Büro zu sitzen, als in PJs und Socken zu Hause. Es macht etwas mit mir morgens den Rucksack zu packen und tatsächlich ‚zur Arbeit‘ zu gehen, anstatt von der Krabbelstube wieder an den heimischen Schreibtisch.
Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mich nicht mehr schuldig fühle, wenn ich den Haushalt schleifen lasse. Denn ich war den ganzen Tag bei der Arbeit, wann hätte ich also Wäsche waschen sollen?!?

Als Angestellte war Homeoffice für mich ein Segen. Als Selbständige ein Fluch. Ein Coworking-Space mit Leuten, die ich mag und deren Arbeiten ich schätze, inspiriert und motiviert mich. Und ich bin gespannt, wo es für mich und alle anderen im offenbar hingeht.

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