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Hilfe!?! – Delegieren für Dummies

Bei meinem aktuellen Projekt RUBY hatte ich mal wieder viele Funktionen. Ich habe das Drehbuch geschrieben, Regie geführt, ich habe Förderung für das Projekt beantragt, Cast und Crew zusammengesucht, Locations recherchiert, Genehmigungen eingeholt. Alles kein Problem. Bis zum 2. Drehtag.

Ich saß in der IGS Nordend auf einem Tisch, die Füße auf einem Stuhl, den Regie-Monitor auf den Knien. Schon am frühen Morgen hatte ich leichte Kopfschmerzen. Gegen Mittag war der Druck hinter meinen Augen so stark, dass mir die Tränen kamen. Meine Hände zitterten, ich war kurz davor, mich zu übergeben. Ich musste die Dreharbeiten unterbrechen, mich hinlegen. Nichts ging mehr. Ich hatte mir zu viel zugemutet. Jetzt denke ich: hätte ich nur… Hätte ich nur Aufgaben abgegeben, hätte ich nur nicht alles alleine gemacht.

Die Frage ist nur: Warum habe ich nicht? Dass es zu viel war, war mir vor Drehbeginn klar. Doch erst eine Woche vor dem Dreh konnte ich mich dazu durchringen, meine Produktions- und Regie-Assistentin Bernadette um Hilfe zu bitten. Sie schaffte auch tatsächlich in nur 2 Tagen, woran ich 4 Wochen lang gescheitert war: Sie fand eine Schule als Drehort. Und dazu noch Komparsen für die Szenen in der Schule.
Berni hatte mir schon lange vorher Hilfe angeboten. Und andere auch. Warum aber habe ich sie nicht angenommen? Je nach Situation gibt es auf diese Frage verschiedene Antworten.

Es dauert länger, es jemandem zu erklären, als es selbst zu machen

Als es darum ging, eine Schule als Drehort zu finden, dachte ich: Ich rufe die Schule meiner Wahl an, schreibe eine Mail hinterher, warte ab, bekomme die Zusage, fertig. Jemandem diese Aufgabe zu delegieren, machte in dem Moment keinen Sinn. Es hätte länger gedauert, zu besprechen, was die essentiellen Infos für die Anfrage waren, als selbst das Telefon in die Hand zu nehmen und eine Mail zu schreiben.

Doch ich hatte Pech, die Traum-Schule für den Dreh meldete sich nach meiner Mail nicht zurück. Ich hakte also nach. Nochmal und nochmal. Schon waren aus einem Telefonat und einer Mail, eine Mail und 4 Telefonate geworden. Und eine Location hatte ich noch immer nicht.
5 Schulen später, dämmerte mir, dass es sich gelohnt hätte, diese Aufgabe jemand anderem zu überlassen. Doch wie viele Anfragen könnte es jetzt noch brauchen, bis ich endlich eine Zusage bekam? Eine, zwei? Jetzt lohnte es sich tatsächlich nicht mehr, zu delegieren. Pustekuchen.

In Offenbach fragte ich insgesamt 17 Locations an, die als Drehort in Frage kamen. Und bekam nirgends eine Zusage. Vielleicht liegt es an Offenbach, vielleicht aber auch an mir. Bernadette jedenfalls schaffte es beim ersten Anlauf und sicherte uns die IGS Nordend als Drehort.

Der hat doch selbst so viel zu tun

Jemanden um einen Gefallen bitten, fällt mir schwer. Ich will niemandem zur Last fallen. Bei RUBY nun schlich sich das Gefühl ein, dass manche Menschen es als Bereicherung sehen, an Projekten wie diesem teilzuhaben. Wir hatten drei Runner am Set, von denen zwei mir vor Drehbeginn sagten: ‚Ich mache, was immer nötig ist. Hauptsache ich kann dabei sein.’ (Der dritte ist mein Mann und hat nach den Dreharbeiten geschworen, nie wieder bei einem meiner Projekte mitzuarbeiten. Das sagte er allerdings schon beim letzten. Und beim vorletzten.)

Ich vertraue nicht darauf, dass mir andere ihre Grenzen aufzeigen. Ich könnte ja davon ausgehen, dass jemand, den ich um Hilfe bitte, mir sagt, wenn es ihm zu viel ist, er gerade keine Zeit oder keine Lust dazu hat. Hier schließe ich nun von mir auf andere: Wenn ich um einen Gefallen gebeten werde, werde ich helfen, wenn es nur irgendwie machbar ist. (Das sollte ich vielleicht auch abstellen.)

Ich kann das alleine!

Das ist der schlimmste Grund von allen. Denn er hat nichts mit dem Streben nach Effektivität zu tun und auch nichts mit Nächstenliebe. Es ist ein Ego-Trip. Die Vorstellung, eine essentielle Aufgabe jemand anderem zu überlassen, löst Unwohlsein in mir aus. Ich muss beweisen, dass ich es alleine kann.

Es ist nicht weniger MEIN Film ist, wenn ich Aufgaben abgebe und Hilfe annehme. Ich mache ja auch nicht Kamera oder Licht und spiele nicht die Hauptrolle. Einen Film zu machen ist immer eine Team-Leistung. Ich weiß das. Beim nächsten Projekt wird das von Anfang an so sein.

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