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das Leben in Balance – einmal Ausgleich, bitte

Bis vor Kurzem habe ich nicht verstanden, warum manche Menschen zu ihrem Beruf einen „Ausgleich“ brauchen.
Warum sollte ein Autor, ein Regisseur etwas zum „Ausgleich“ machen? Warum ein Hobby haben, wenn der Beruf so erfüllend ist?

Solange ich noch angestellt war, war das Schreiben mein Ausgleich, und meine Kurzfilme. Nun ist dieser Ausgleich mein Beruf. Brauche ich nun also dafür einen Ausgleich?

Seit Anfang des Jahres habe ich nichts weiter gemacht als arbeiten. Kein Urlaub. Kein Hobby. Arbeiten. Arbeiten. Arbeiten. Das hat sich bemerkbar gemacht. Ich liebe, was ich tue. Ich will nichts anderes mehr tun. Doch es hat mich geschlaucht. Das habe ich deutlich gemerkt. Und beim Dreh zu RUBY hätte das fast ernsthafte Konsequenzen gehabt

einmal Ausgleich, bitte

So habe ich mir also vorgenommen, mal wieder etwas für mich zu tun. Als Ausgleich!

Der erste Versuch war gleich ein Treffer: Linoldruck. Eigentlich wollte ich nur einmal alles ausprobieren, was die anderen CoWorker im offenbar machen, wo ich mein Büro habe. Also setzte ich mich mit Christina Dirlich zusammen und schnitzte Amöbchen in eine Linolplatte. Fast zwei Stunden kratzte ich an einer Postkartengroßen Platte. Dann der erste Druck und ein unglaublich gutes Gefühl. Mein erster Linoldruck (seit Jahren).
Das Schnitzen hatte etwas Meditatives. Und machte mir so viel Spaß, dass ich gleich noch eine Platte zerfurchte.

einmal ambitionsfrei, bitte

Völlig ambitionsfrei zu gestalten, das war eine Befreiung. Die Hände gebrauchen, anstatt den Kopf. Zwar planen, aber das Endergebnis doch nicht zu 100% beeinflussen können; ganz anders, als das, was ich sonst tue.

Sport wollte ich schon lange wieder treiben. (Wer nicht?!?) Doch es brauchte einige Anläufe und am Ende eigentlich doch nur die richtige App. Dabei hat Sport noch einen ganz anderen Effekt als nur das Mal-was-anderes-machen.
Meinen Körper spüren und fordern, aus der gebeugten Haltung vor dem Rechner herauskommen, vor allem aber: etwas für mich tun, für meine Gesundheit.
Nach 10 Jahren für-andere-arbeiten und dem Verlust meines gesunden Egoismus durch das Muttersein, sind diese Stunden rennend am Mainufer ein Stück Selbstbezogenheit, die ich mir gönne und die mir gut tun. Und darauf kommt es doch an, beim Ausgleich.

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