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JC feat. TS – Kollaboration

JC feat. TS – Kollaboration Posted on 25. Oktober 2017
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Ist so eine Kollaboration nicht etwas Feines. Jemanden zu finden, mit dem an gemeinsam an einem Projekt arbeiten kann. Herrlich. Zumindest wenn man nicht so sehr an sich selbst zweifelt oder überhaupt Gefühle aussen vor lassen kann.

Vor einigen Wochen kam ich mit einer CoWorkerin aus dem offenbar ins Gespräch. Tania Sívertsen ist Grafikerin und Illustratorin. Wir sprachen über Jobs und darüber, womit wir am liebsten Geld verdienen würden. (Das ist eine sehr gute Frage!!!) Wir kamen auf Kinderbücher. Sie sagte: ‚Ich würde gerne Kinderbücher illustrieren.‘ Ich sagte: ‚Ich habe eins geschrieben.‘

erst die Arbeit

Meine erste Euphorie über diese geplante Kollaboration verflog bald, denn der nächste Schritt im Prozess musste sein, dass ich ihr meinen Text schickte. Ich setzte mich also hin und… anstatt ihr gleich den Text zu schicken, las ich ihn nochmal, um eventuell noch etwas zu ändern. Und dann nochmal und nochmal.

Drei Tage später ließ es sich nicht mehr länger hinausschieben und ich schicke Tania die Mail mit dem Text. Getippt mit schwitzigen Fingern. Ich malte mir schon aus, wie Tania mir nach der Lektüre zu verstehen geben würde, dass sie ja wahnsinnig gerne die Illustrationen machen würde, aber jetzt im Moment und in absehbarer Zeit diese überhaupt gar nicht haben würde. Ich schwor, mir einen neuen CoWorking Space zu suchen, sollte Tania nicht begeistert sein.

Wenn ich einen Text an jemanden schicke geht es mir immer so. Es spielt keine Rolle, was für ein Text es ist oder an wen ich ihn schicke. Manchmal ist die Angst vor der Kritik so groß, dass ich wie gelähmt bin bis ich eine Rückmeldung bekomme.

dann das Vergnügen

Tanias Rückmeldung kam prompt. Sie war begeistert und machte sich sofort an die Arbeit. Vor einigen Tagen nun zeigte sie mir die ersten Entwürfe der Illustrationen. Und diesmal war sie es, die so aufgeregt war.
Am Vormittag saßen wir noch zusammen im Büro und sie sagte mir: ‚Ich schicke dir heute Abend was.‘ Sie wollte mir die Illustrationen auf keinen Fall sofort im Büro zeigen. Sie wollte nicht dabei sein, wenn ich sie das erste Mal anschaute.
Ich kann das gut verstehen. Mir geht es genauso. Ganz schlimm ist es bei meinen Filmen. Ich kann es kaum aushalten, wenn jemand einen meiner Kurzfilme anschaut und ich daneben stehen muss.

Als ich in meiner Diplomprüfung meinen Film zeigen musste, verkrampfte sich mein ganzer Körper. Ich verfiel in eine derartige Starre, dass ich noch zwei Tage später einen steifen Nacken hatte. Anderen seine Arbeiten zu zeigen, macht verletzlich. Vor allem, wenn es um Entwürfe geht, Unfertiges. Vielleicht werde ich mich irgendwann damit anfreunden können. Vielleicht werde ich irgendwann meine Selbstzweifel im Bezug auf meine Arbeit überwinden.
Bis dahin tröste ich mich damit, dass es anderen genauso geht. Und reagiere auf ihre Furcht so, wie ich möchte, dass andere auf meine reagieren: Mit ehrlicher, konstruktiver Kritik.