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WTF is wrong with you? – die 10. Fassung

WTF is wrong with you? – die 10. Fassung Posted on 1. November 2017
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Es ist zum Haareraufen. Die 10. Fassung und ich bin einfach nicht zufrieden. Die Geschichte ist einfach nicht rund. Irgendwas stimmt noch nicht. Greifen kann ich es nicht, aber irgendwas passt nicht.

Wenn ich ein Lektorat dazu verfassen müsste, würde ich schreiben: ‚Das Buch hat strukturelle Probleme.‘ Und das stimmt. Die Exposition ist zu lang. Geschenkt. Der Mittelpunkt mehr ein Hindernis. Der Höhepunkt mehr ein… Ach, ich weiß auch nicht.

erst schreiben, dann denken

Beim Schreiben mache ich mir darüber keine Gedanken, wie es mit der Struktur aussieht. Die erste Fassung muss erstmal raus. Aber wenn ich merke, das Buch tut nicht, dann schaue ich genau, was mit der Struktur los ist, denn dort hängt es meistens.

Also… Wenn ich die Hochzeit weiter nach vorne schiebe… Denn eigentlich ist sie nicht der Höhepunkt sondern mehr ein Wendepunkt. Vielleicht. Ha! Dann wird die erste Hälfte sehr dicht, aber da kann ich kürzen. Und die zweite Hälfte… Hm.

Also unsere Heldin muss dann natürlich wieder zurück in die Gefahr. Um ihre Gefährtin zu retten. Natürlich. Und dann gibt es noch einen Kampf. Zum Schluss. Das große Finale.

So geht in etwa in meinem Kopf zu, wenn ich SIDERA überarbeite. Die Geschichte des Bauernmädchens, das auszieht, um den König zu heiraten, begleitet mich seit mehr als 15 Jahren. Nur dass es inzwischen kein Bauernmädchen mehr ist. Und Sideras Bruder ein Loveinterest und die Elfen nun Hexen. Das Projekt hieß mal ELFENWALD, nun heißt es SIDERA.

der lange Weg von SIDERA

Ursprünglich war es ein Kindertheaterstück, wurde dann zum Drehbuch für einen Kinderfilm. Dann zu einem Dreiteiler für junge Erwachsene und wird nun wieder ein Einzelstück.

Liest man die verschiedenen Fassungen und lässt jeweils zwei aus, könnte man meinen, es seien verschiedene Projekte. So viel ändert sich von Fassung zu Fassung. Figuren kommen und gehen. Backstories ändern sich. In der ersten Fassung war der König eitel und suchte eine Braut, um sein Bild auf dem Thron zu vervollständigen. Mit jeder neuen Fassung veränderte er sich. Er wurde zum verwöhnten Prinzen, den seine Eltern mit einer erzwungenen Hochzeit zähmen wollten. In Fassung 10 nun ist er ein jähzorniger Waisenknabe, der seinen eigen Vater vom Thron gestoßen hat.

kill your darlings

Jeden dieser Charaktere mochte ich. Mochte ich sehr. Sie alle lagen mir am Herzen und waren mit viel Liebe geformt. Es schmerzt mich, sie zurückzulassen. Nicht, weil ich viel Arbeit in ihre Entwicklung gesteckt habe, sondern weil ich das Gefühl habe, dass ihr Weg nicht vollendet ist. Ich habe ihre Geschichten nicht zu Ende erzählt und werde es vermutlich nicht. Zumindest nicht in diesem Projekt.

Sidera ist diejenige, die ihren Weg zu Ende gehen muss. Ich kann ihre Geschichte nicht loslassen, das Buch nicht aus der Hand geben, solange ich nicht das Gefühl habe, dass es RUND ist. (Was immer das bedeutet.) Nun sitze ich also an der 10. Fassung.

Wünscht mir Glück.