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weniger ist immerhin etwas – Disziplin

weniger ist immerhin etwas – Disziplin Posted on 15. November 2017
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Ich habe keine Disziplin. Ich dachte mal, wenn ich es schaffe, einen Marathon zu laufen, dann würde das beweisen, dass ich sehr wohl diszipliniert bin. Das stellte sich als Irrtum heraus.
Denn obwohl es bewiesen hat, dass ich einen Marathon laufen kann (nach 4 Monaten intensivem Training), hat es ebenso bewiesen, dass ich mit einer strikten Trainings- und Essens-Routine ebenso schnell wieder aufhören kann, wie ich damit begonnen habe.

Selbständigkeit = Disziplin

Seit ich selbständig bin, kämpfe ich besonders mit meiner Disziplin. Es ist aber auch so einfach, undiszipliniert zu sein. Klar hatte ich mir vorgenommen, um 9 im Büro zu sein und bis um 15 Uhr dieses eine Projekt fertig zu machen. Aber ich hatte noch kein Frühstück und weil das Kind mir Milch über die Hose gekippt hat, müsste ich sowieso erstmal nach Hause, um mich umzuziehen und wenn ich dann schon mal da bin, kann ich auch gleich eine Ladung Wäsche anmachen, duschen und dann ins Büro. Wo ich aber nur 2 Stunden bleiben kann, weil ich dann wieder nach Hause muss, um die Wäsche aufzuhängen und wenn ich damit fertig bin, lohnt es sich kaum noch, sich wieder an die Arbeit zu setzen, weil ich 50 Minuten später schon wieder los muss, bevor der Kindergarten zumacht.

und täglich grüßt der Schweinehund

Es gibt so viele Dinge, von denen ich mir selbst geschworen habe, sie regelmäßig zu tun. Eine Sprache lernen, Blog-Artikel schreiben, meditieren, Sport machen. Jedes dieser Vorhaben läuft ähnlich ab: Ich bin hoch motiviert, die ersten Tage hänge ich mich voll rein. Dann mache ich einen Tag Pause, weil ich ja die letzten Tage so fleißig war oder weil ich Rückenschmerzen habe oder weil einfach irgendwas dazwischenkommt. Am nächsten Tag bin ich frustriert, weil ich am Vortag meinen Soll nicht erfüllt habe. Also strenge ich mich doppelt an. Den nächsten Tag lasse ich dann aus, weil ich so erschöpft bin. Und den nächsten auch und den nächsten. Und dann habe ich auch schon vergessen, was es eigentlich war, was ich da jeden Tag machen wollte. Und überhaupt sollte man mit solchen Dingen immer an einem Montag beginnen oder noch besser am 1. des nächsten Monats.

Seit 100 Tagen nun lerne ich französisch. Jeden Tag. Und seit 98 Tagen meditiere ich. Jeden Tag. Ein plötzlicher Sinneswandel? Eher nicht. Der Trick, der bei mir zu funktionieren scheint, ist die Dosis zu verringern. Meine täglichen Französisch-Lektionen dauern je nach Konzentration und Tagesform 10 bis 15 Minuten. Das Meditieren ebenfalls. Das ist überschaubar, machbar. Jeden Tag.

weniger ist immerhin etwas

Man könnte argumentieren, dass das ja herzlich wenig bringt, 10-15 Minuten an einer Sache zu arbeiten. Doch addiert man es zusammen, ist man jede Woche bei mehr als einer Stunde. Und jede Woche eine Stunde französisch gelernt, ist immerhin eine Stunde mehr, als keine Stunde. Ausserdem bleibt es oft gar nicht bei den 10-15 Minuten täglich. Ich meditiere gerne morgens, wenn meine Tochter aus dem Haus ist und ich den Tag für mich beginnen kann. Oft lege ich noch eine Meditations-Runde ein direkt vor dem Schlafengehen. Das macht den Kopf frei und hilft mir beim Einschlafen.

Es scheint also, als sei Disziplin nicht mein Problem, sondern die Höhe der Dosis.

Das gleiche Prinzip lässt sich auf alle Dinge übertragen, die sich durch Regelmäßigkeit verbessern sollen. Schreiben zum Beispiel. Mir fällt es meist nicht schwer, mehrere Stunden am Stück zu schreiben. Doch wenn ich mich in eine Ecke geschrieben habe, dann mache ich den halben Tag einen großen Bogen um meinen Laptop. Auch hier hat sich das weniger-ist-etwas Prinzip bezahlt gemacht.
Heute habe ich keine Lust zu schreiben, also schreibe ich nur 10 Minuten. Dann brauche ich kein schlechtes Gewissen haben, denn ich habe ja geschrieben (wenn auch nur 10 Minuten).
Der Punkt ist, dass es auch dann meist nicht bei den 10 Minuten bleibt. Bin ich erstmal im Schreiben, läuft es bald ganz von selbst und selbst wenn nicht: Der Laptop ist an, das Dokument geöffnet… Also warum nicht noch eine Szene schreiben. Oder einen Blog-Artikel.