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The horror the horror – ORPHEUS abgedreht

The horror the horror – ORPHEUS abgedreht Posted on 22. November 2017
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Auf einem abgewetzten Sofa aus grünem Leder sitzt ein Paar eng umschlungen und knutscht. Hinter einem Schleier aus Dunst erkennt man eine Theke. Dahinter die Barfrau. Sie räumt gespülte Gläser zur Seite. Dann nimmt sie ihren Bestellungsblock und geht zu den beiden, wirft ihnen ihre Rechnung hin, räumt die Bierflaschen vom Tisch.

Die Bar ist leer bis auf das Paar und die Barfrau. Und das Team von neun Leuten, die sich in den kleinen Bereich quetschen, der in der Totalen nicht von der Kamera erfasst wird. Keiner rührt sich, keiner macht einen Mucks. Dann geht die Szene zu Ende. Die Einstellung ist im Kasten. Umbau zum Close up. Plötzliche Geschäftigkeit.

payoff

Ich liebe das. Diesen Moment, in dem alles zusammenläuft, was man vorher wochen- meist monatelang geplant hat. Die Kamera läuft, Stille kehrt ein und endlich sieht man das, worauf alle hingearbeitet haben auf dem kleinen Regiemonitor.

ORPHEUS war nicht meine Idee. Emrah Erdogru kam damit zu mir. Er wollte einen Horrorfilm machen. Er erzählte mir eine Geschichte von seinem Großvater. Der lief eines Abends die Straße entlang, als ihm jemand ins Ohr flüsterte: „Dreh dich nicht um.“ Eine ihm unbekannte Stimme war das und eine eindringliche. So eindringlich, dass Emrahs Großvater nach Hause lief, ohne sich umzudrehen. (Vielleicht erinnere ich mich falsch, doch das war meine Ausgangsgeschichte.) So etwas wollte Emrah machen. Aus dieser Idee wurde ORPHEUS. Angelehnt – natürlich – an die Geschichte von Orpheus und Eurydike. Doch spielt sie nicht im antiken Griechenland und auch nicht in der Unterwelt. Sondern heute in Frankfurt, in einer Bar und in den Straßen von Hausen und Bornheim.

Zwei Nächte lang haben wir gedreht. Mal wieder im November. Mal wieder in der Kälte. ORPHEUS ist meine 4. Regiearbeit. Mein 2. Kurzfilm in diesem Jahr. Schön war es. Entspannt, möchte ich fast sagen. NoBudget, und trotzdem ging es irgendwie. Und irgendwie gut.

nichts anderes

Um ehrlich zu sein war das der erste Dreh, bei dem ich mich tatsächlich als Regisseurin fühlte. Denn diesmal war ich nicht auch noch dafür zuständig das Equipment zu besorgen, die Locations anzufragen (zumindest nicht alle) und die Crew zusammenzustellen. Diesmal konnte ich mich mit Kameramann Cristian Ceoroiu voll und ganz auf das Bild konzentrieren und auf die Geschichte.

Es hat mir viel Freude gemacht. Sehr viel sogar. Danke dafür.