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Mein ärgster Kritiker

Mein ärgster Kritiker Posted on 3. Januar 2018
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Ich dachte immer, ich wäre mein ärgster Kritiker. Was für ein Irrtum!

Zu Weihnachten wollte ich meiner Tochter eine extra große Freude machen. Wir wollten ihr eine Musik-Box schenken, auf der sie Musik und Hörspiele abspielen kann. Ich dachte, es wäre eine schöne Idee, ihr dazu vier Kindergeschichten zu schenken, die nur sie hat. Geschrieben und eingesprochen von mir. Mit etwas Musik und Geräuschen. Der Igel & sein Architekt war eine Geschichte davon.

Die Musik-Box fand sie großartig. Auch die Geschichte von dem Löwen, die dabei war, hörte sie sich gleich an und auch die Musik, die wir dazu ausgesucht hatten.
Dann begann die erste Geschichte, die ich für sie geschrieben hatte. In ihrem Gesicht war erst Verwirrung bis sie meine Stimme erkannte. Dann Langeweile. Deutliche Langeweile.

Sie hatte wenigstens die Gnade, die erste Geschichte bis zum Ende anzuhören. Dann griff sie wieder nach der Musik, die über die restlichen Weihnachtstage in einer Endlosschleife lief.
Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, sie zu fragen, ob ihr die Geschichte gefiel. Sie schüttelte nur den Kopf. Ende der Diskussion.

Stich ins Herz

Es sticht ein bißchen. Gleichzeitig freue ich mich, dass mein Kind mir ehrlich zeigt, was sie mag und was nicht. Sie hat nicht – noch nicht – das Bedürfnis, ihre Meinung zu verschleiern, um andere nicht zu verletzen. Ich wünschte, ich könnte mit anderen Kritikern so umgehen, wie mit der Kritik meiner Tochter. Denn wenn sie nicht mag, was ich mache, dann nehme ich es ihr nicht übel. Dann sage ich ihr, dass das okay ist, dass ihr vielleicht etwas anderes, was ich mache, gefällt.

Gleichzeitig ist es bewundernswert, dass meine Tochter mir meine „langweilige“ Geschichte nicht nachträgt. Dass sie diese eine Geschichte nicht mag, die ich für sie geschrieben habe, heißt nicht, dass sie die anderen nicht anhört. So haben wir dann doch noch eine gefunden, die sie gerne mag. Die sie sich ab und an anhört. Zumindest dann, wenn ich nicht in der Nähe bin, um ihr etwas vorzulesen.