Posted in dies und das

ein gebrochenes Herz

ein gebrochenes Herz Posted on 17. Januar 2018
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Heute morgen brach mir mal wieder das Herz.

Ich brachte meine Tochter in den Kindergarten und es dauerte – wie immer – eine kleine Ewigkeit, bis sie ihre Jacke aus und die Hausschuhe angezogen hatte.

In der Garderobe war noch eine andere Mutter mit ihrem Kind zu Gange. Er zog sich selbst um und redete ohne Unterlass von dem Bild, das er am Vortag für seine Mutter gemalt, das sie jedoch gestern in der KiTa vergessen hatten. Sie nahm das Bild an sich, lächelte ihn an, bedankte sich. ‘So ein schönes Bild.’

Wir verließen die KiTa gemeinsam, die andere Mutter und ich. Etwas smalltalk darüber, was für eine Hetzerei es jeden Morgen sei von der KiTa zur Arbeit. Sie hatte das Bild in der Hand. Groß war es. Noch etwas größer als A3, die Ränder waren ganz offensichtlich von Kinderhand zugeschnitten, der Junge hatte sich mit allen wilden Farben verausgabt.

Während ich das Schloss von meinem Fahrrad löste, steuerte die Mutter direkt den nächsten Mülleimer an und stopfte das Bild ihres Sohne hinein. Beschwingt sagte sie: ‘Und gleich weg damit.’

Ich war so perplex, dass ich im ersten Moment gar nicht reagierte. Doch ich spürte sehr deutlich den Stich in meinem Herzen. Wie konnte sie nur? Der eigene Sohn hatte dieses Bild für sie gemacht, hatte noch vor wenigen Minuten mit so viel Begeisterung davon gesprochen und sie warf es in den ersten Mülleimer, an dem sie vorbeikam.

Diese Mutter schien mir so herzlos und grausam. Ich sage ja nicht, dass man gemeinsam mit dem Kind dessen Werke kuratieren und dann eine Auswahl rahmen und in die Wohnung hängen muss. (Obwohl das genau das ist, was ich tue. Nur falls jemand fragt.) Doch es muss doch irgendetwas dazwischen geben.

Ich hoffe, dass der Junge sich heute nachmittag nicht mehr an das entsorgte Bild erinnert. Dass er gerade jetzt in der KiTa sitzt und ein neues malt. Und auch das seiner Mutter mitgibt. Und auch morgen und übermorgen. Dass er nicht die Freude an seiner eigenen Kunst verliert. Niemals.