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adieu Facebook – von der Angst, etwas zu verpassen

adieu Facebook – von der Angst, etwas zu verpassen Posted on 27. März 2018
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Vor etwa 10 Jahren habe ich mich bei Facebook angemeldet und nie richtig begriffen, was da eigentlich vor sich geht. Persönliche Inhalte teilen mit Menschen, die man kaum – vielleicht sogar überhaupt nicht – kennt, Freunde sammeln… wozu? Habe ich mich immer gefragt und es schweigend und staunend beobachtet.

Immer mal wieder habe ich selbst etwas gepostet. Alle paar Monate. Und ebenso regelmäßig habe ich mich gefragt, warum ich meinen Account nicht einfach lösche.

das Potential

Je mehr Facebook-Freunde ich hatte und in umso mehr Gruppen ich war, um so seltener stellte ich mir die Frage, warum ich meinen Account nicht lösche.
Facebook hatte für mich bald nichts Privates mehr. Die meisten meiner Facebook-Freunde waren Menschen aus der Filmbranche, die meisten Gruppen, in denen ich Mitglied war, hatten etwas mit Film zu tun.
Plötzlich war jeder neue Facebook-Freund ein potentieller Kollege oder Auftraggeber. Ein professioneller Kontakt, den es auf keinen Fall zu verlieren galt.
Jede Facebook-Gruppe bot das Potential für einen Job, den Anstoß für ein Traum-Projekt.

So viel Potential steckte in diesem virtuellen Netzwerk für meine Karriere. Und doch habe ich meinen Account nun gelöscht. Nicht einfach nur deaktiviert. Nein, gelöscht.

Daten-Krake

Wegen des Daten-Skandals? Eher nicht, denn der überraschte mich – um ehrlich zu sein – wenig.

Nein, mir geht es um etwas anders. All das Potential, das dieses virtuelle Netzwerk haben mag, hat für mich nie irgendwo hingeführt. Dadurch, dass ich es nicht nutzen will wie andere es nutzen, nutzt es mir nichts. Also kann ich es auch lassen.

Es hat mir nicht nur nichts genutzt, es hat mir dazu noch sehr viel Zeit geraubt. Ich will gar nicht so genau wissen, wie viele Stunden ich mit dem Scrollen durch meinen Feed verbracht habe. Dabei sind Projekte und tatsächlich wertvolle Kontakte immer nur analog entstanden. Face to face. Nicht über Facebook.

Sei es der Kameramann, den ich beim Stammtisch der Filmemacher kennengerlernt und mit dem ich daraufhin zwei Kurzfilme gedreht habe. Oder der Job, den mir die Freundin einer Ex-Kollegin vermittelte. Wichtige Verbindungen und Chancen sind durch persönlichen Kontakt entstanden.
Facebook hat mir das Gefühl gegeben, vernetzt zu sein. Klar hätte ein Kontakt über Facebook das Potential dazu, zu mehr zu führen. Zu Projekten und Jobs und Kooperationen.
Doch ich bin nicht der Typ, solche “unpersönlichen” Kontakte anzuzapfen. Ich käme mir schäbig vor. Das System von Facebook ist einfach nichts für mich.

Es ist mir bei weitem nicht so leicht gefallen, mich von Facebook zu trennen, wie es hier vielleicht klingt. Bis zum letzten Moment habe ich gehardert, ob es nicht doch besser wäre, den Account ersteinmal nur zu deaktivieren als ihn gleich ganz zu löschen.

Es doch zu tun, ist die Überwindung meiner Angst davor, auf der Strecke zu bleiben, etwas zu verpassen, bestehendes Potential nicht zu nutzen. Und es ist gleichzeitig der Vorsatz, mein analoges Netzwerk auszubauen. Face to face.