Posted in Making of

Hinterher oder vorneweg? – ein paar Worte

Hinterher oder vorneweg? – ein paar Worte Posted on 13. Juni 2018
Eigentlich Diplom-Designerin, jedoch im Haut und Haaren und seit Jahren Autorin und Filmemacherin.

Bei so einer Filmpremiere kommt man als Produzent ja nicht drumherum, ein paar Worte zu sagen. Vielleicht könnte man diese Verpflichtung an den Regisseur abgeben. Wenn man jedoch Produzent und Regisseur in personal union ist, dann wird es schwierig.

Zwei Tage vor der Premiere von MEINE KLEINE ZEITMASCHINE machte ich trotzdem einen verzweifelten Versuch, mich aus der Affäre zu ziehen. Marco Schulze und ich saßen im Café des Filmmuseums und warteten darauf, dass der Laptop das DCP ausspucken würde. Ich fragte ihn, ob er nicht ein paar Worte an die Premieren-Gäste richten wollte. Natürlich weigerte er sich. Er meinte, ich hätte keine Wahl, er könnte es nicht machen.
Er sagte, diese kleine Ansprache zu halten, sei in letzter Konsequenz meine Sache. Wie alles andere in diesem Projekt auch. Jeder im Team hätte sich jederzeit bei Unklarheiten umdrehen können und mich dort vorgefunden. Mich, die dann eine finale Entscheidung zu treffen hatte.

Dieses Bild lies mich danach tagelang nicht los. Dieses Bild von mir als letzte Frau im Team. Diejenige, die alle anderen vor sich hertreibt? Die den Rückhalt bildet? Alles und jeden im Blick behält? Aufsammelt, was liegenbleibt? Dieses Bild war mir so fremd. So habe ich mich selbst nie gesehen. Und auch nie gefühlt.

Im Gegenteil. Ich fühle mich in meinen Projekten als diejenige, die vorangeht. (Zugegebenermaßen anfangs nur geht, denn zum Vorangehen braucht es selbstverständlich jemanden, der folgt.) Anfangs gehe ich alleine, trete einen Pfad aus und erzähle in die Gegend, dass ich dieses Projekt vorhabe. Wenn es gut läuft, schließen sich Leute an. Sie folgen direkt auf dem Pfad, den ich austrete oder gehen leicht daneben, verbreitern ihn für die, die sich dann anschließen.
So werden es in der Vorbereitung eines Projekts mehr und mehr Menschen. Einige sind nur für eine kurze Zeit dabei, andere folgen mir so ziemlich vom Anfang bis zum Ende. Während den Dreharbeiten ist die Schar am größten. Dann spüre ich ihre Präsenz und verlasse mich darauf, dass alles, was ich nicht stemmen kann und nach hinten weitergebe, dort von jemandem aufgefangen und weitergetragen wird.

Bei all dem vertraue ich darauf, dass jemand hinter mir ist. Ich bleibe an der Spitze alleine und ich verlasse mich auf diejenigen hinter mir, ohne mich umzuschauen. Nicht, dass dafür keine Zeit wäre. Nein, es ist vielmehr so, dass voranzugehen bedeutet, sein Gesicht nicht zeigen zu müssen. Während des Projekts kann niemand meine Zweifel sehen. Erst, wenn alles vorbei ist.

Erst bei der Premiere.

Als im Saal das Licht anging, wagte ich mich aus der Geborgenheit des Kinosessels nach vorne und erst dort angekommen, drehte ich mich um, um ein paar Worte zu sagen. Neben Cast und Crew vom Dreh waren auch so viele Menschen gekommen, die in der Produktion ansonsten meist unsichtbar bleiben. Und noch so viele mehr. Der Anblick war wunderbar.