Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Wort hustle mich verfolgt. Vor allem im Internet, aber auch IRL. Eine Zeit lang hat es mich von überall angesprungen: Social Media Posts über Side-Hustles, Blogposts darüber, wie man eben diesen Side-Hustle zur Karriere ausbaut oder warum man gerade das nicht machen sollte.

Das Wort hat so viele Bedeutungen. Doch für mich schwingen im Hustle vor allem drei seiner Übersetzungen mit: Betrügerei, Hektik und Betriebsamkeit. Und keines davon ist positiv besetzt.

Hektik ist kopflos.

Im Gegensatz zur Eile ist Hektik etwas, das meist dazu führt, dass man durch Flüchtigkeitsfehler für alles noch länger braucht, als wäre man die Aufgabe mit Ruhe angegangen.

Mit Betriebsamkeit ist es ähnlich, und dass Betrügerei nicht positiv besetzt ist, ist klar.

Trotzdem bin auch ich in die Hustle-Falle getappt. Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich blind jeden Job angenommen, der mir angeboten wurde. Man muss ja schließlich irgendwie Geld verdienen. Dass ich mich selbstständig gemacht habe, um meine eigenen Projekte auf die Beine und in die Welt zu bringen, habe ich darüber schnell aus den Augen verloren. Als erstes muss ja mal der Kühlschrank gefüllt werden.

Und dann habe ich den Abspung verpasst. Als die ersten Stammkunden da waren, hätte ich irgendwann den Schlussstrich ziehen können. Hätte ich zu Beginn ein Ziel definiert: Wenn ich im Monatsdurchschnitt x Euro verdiene, nehme ich keine weiteren Aufträge mehr an und nutze alle verbleibende Zeit, um mein nächstes Buch zu schreiben. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Hinterher bin ich immer schlauer.

Im letzten Jahr wurde es dann einfach zu viel. Noch ein Auftrag für eine alte Freundin. Dann noch ein Job in der Firma einer neuen Freundin. Als würde man am Buffet stehen und nicht merken, dass für jeden Löffel, den man sich zusätzlich auflädt, auf der anderen Seite was vom Teller fällt.

Kurz vor Weihnachten musste ich mir eingestehen, dass ich das Schreiben total vernachlässigt habe. Gäbe es nicht die regelmäßigen Treffen von meinem Autorenkreis, ich hätte wahrscheinlich gar nichts mehr zu Papier gebracht. Jedenfalls konnte es so nicht mehr weitergehen. Ich wollte raus aus dem Hustle.

Im Projekt der alten Freundin bot sich mir eine Abkürzung an, die ich genommen habe. (Sehr untypisch für mich.) Und den Job in der Firma der neuen Freundin… den habe ich diese Woche gekündigt.

Das hat gut getan. Wie eine kleine Befreiung. Die Rückeroberung einiger Stunden Zeit jede Woche, die ich nun in meine Autorenkarriere stecken will. Und werde.

Ziele, aber auch Grenzen zu definieren, habe ich mir für die Zukunft vorgenommen. Nicht nur zu wissen, wo ich hinwill, sondern auch zu entscheiden, wie weit ich dafür vom Pfad abkommen darf, bevor es mir nicht mehr gut tut.