Die Frau fällt mir sofort auf. Rotes, feuerrotes Haar, Sommersprossen und grüne, stechende Augen. Sie lacht über das Schwein, das gerade jonglierend auf einem Einrad vorbeifährt. Sie lacht so laut, dass das Schwein anhält und sie ansieht. Die Kettensägen, die es bis eben noch jongliert hat, bleiben in der Luft stehen.
„Das ist eine ernsthafte Kunst“, sagt das Schwein.
Sie entschuldigt sich und behauptet, das hätte sie nicht gewußt. Damit gibt sich das Schwein nicht zufrieden, es knurrt und bleckt die Zähne, da … ist alles schwarz.
Ich komme im Wald zu mir. Das Laub fällt von den Bäumen und der Wind trägt alles in das weiße Haus, das auf der Lichtung steht. Die große Tür zur Veranda ist offen und innen ist es kalt und überall liegt Laub.
Die rothaarige Frau kommt durch den Wald gerannt. Sie trägt ein langes Kleid, das im Wind weht wie ihre Haare. Sie ruft nach ihren Eltern. Als sie das Haus erreicht ist sie ein Kind, das weint und schreit und Angst hat.
Ich gehe zu ihr. Vielleicht kann ich sie trösten. Aber sie will nicht getröstet sein. Sie dreht sich um und wir stehen am Strand.
„Was machen Sie denn hier?“, fragt sie mich.
Ich zucke die Achseln. „Das weiß ich nicht so genau. Vielleicht können Sie es mir sagen?“
Sie sieht mich an. Von oben bis unten. Dann sagt sie: „Ich will Ihnen das Haar schneiden, damit es länger wird.“
Ich greife an meinen Kopf. Mein Haar reicht mir nur bis zu den Schultern, eine der schwarzen Strähnen hängt mir ins Gesicht, vor die Augen. Es könnte einen Schnitt vertragen.
Da hat sich schon eine Schere in der Hand und fuchtelt mir damit vor der Nase herum.
„Lassen Sie das!“, rufe ich und habe plötzlich die Schere in der Hand.
Ich halte sie der Rothaarigen vors Gesicht, öffne die Schere, lasse sie geräuschvoll zuschnappen und … alles ist schwarz.
Ich stehe in der Innenstadt. Da vorne ist sie, die Rothaarige. Ich kann sie genau sehen. Sie steht bewegungslos auf der Straße, während die Menschen an ihr vorbeieilen. Sie hat ihre grünen Augen geschlossen und hebt nun langsam die Arme.
Ich weiß, dass ich zu ihr muss. Wenn sie verschwindet, verschwindet die ganze Welt. Ich muss wissen, warum. Wie sie das anstellt.
Ich laufe so schnell ich kann. Aber ich komme nicht vom Fleck. Meine Beine bewegen sich, als stünde ich in hüfttiefem Wasser.
Die Rothaarige hebt die Arme in die Luft und lässt sie wieder fallen. Hebt sie erneut, lässt sie fallen.
Sie will wegfliegen. Will mich wieder alleine lassen.
Ich komme nicht schnell genug voran.
Schon heben sich ihre Füße vom Boden.
Ich muss schneller sein. Sie darf nicht wieder verschwinden.
Sie erhebt sich über die anderen Menschen.
Ich habe sie fast erreicht.
Sie fliegt davon.
Ich springe ihr hinterher, erwische ihre Füße, klammere mich daran fest und …
Schweißgebadet wacht sie auf. Schon wieder hatte sie so einen verrückten Traum. Und schon wieder war da diese Frau. Die Frau, die ihr so bekannt vorkommt und die sie doch nicht zuordnen kann.
Sie richtet sich auf und schreckt zusammen. Eine rothaarige Frau starrt sie aus grünen Augen an. Sie lacht auf und denkt: „Jetzt habe ich schon Angst vor meinem eigenen Spiegelbild.“